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Zurück aus Berlin: Eindrücke von der Fachkonferenz 'Far Beyond Organic'

02.07.2010 15:08
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Workshop BerlinDass die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Naturtextilien durchaus ökonomisch umsetzbar sind, haben Handel und Produzenten bewiesen. Aber wie weit können wir noch gehen? Was können wir an Nachhaltigkeit noch umsetzen, ohne dass die Preise für unsere Produkte ins Uferlose steigen? Wird man in Zukunft ein ganzheitlich ethisches Kleidungsstück kaufen können?

 

> mit diesen Fragen im Hinterkopf besuchten Alma & Lovis die Fachkonferenz ‘Far Beyond Organic’ des Green Forum des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN)

 

 

 

Und auch in Berlin war es sehr, sehr heiß …

Da war die Kalkscheune als Location mit ihrem ansprechenden Innenhof gut gewählt. Direkt in Berlin-Mitte trafen sich die wichtigsten Akteure der grünen Textil- und Bekleidungsbranche, um gemeinsam mit Politik und Organisationen, wie z. B. der Kampagne für saubere Kleidung und der Fair Wear Foundation, zu diskutieren.

 

Zur Einstimmung auf die folgenden anstrengenden Tage traf man sich am Vorabend bei kühlen Getränken und leckerer Bio-Kost. Hier konnten sich die ca. 150 Teilnehmer nach der offiziellen Begrüßung in lockerer Atmosphäre schon einmal beschnuppern und sich auf das bevorstehende Programm einstimmen.

 

Innenhof der Berliner KalkscheuneInnenhof der Berliner Kalkscheune

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dann ging es am Dienstagmorgen richtig los. Die Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch (Bündnis ‘90/Die Grünen) informierte über die leider geringen Bemühungen der jetzigen Regierung, die ökologischen wie sozialen Bedingungen in der Textilien-Produktion zu verbessern und bat an dieser Stelle um mehr Lobbyarbeit des IVN. Anscheinend werden die Bemühungen der vielen Aktiven in der Naturtextilbranche und der neuen „Green Fashion“ Initiativen noch nicht genügend wahrgenommen. Zum Auftakt sehr ernüchternd.

 

Die Podiumsdiskussion um Dr. Kirsten Brodde, bekennende Bloggerin und Journalistin, und Berndt Hinzmann (Kampagne für saubere Kleidung), moderiert von Reinhard Griebner (rbb Fernsehen), war da schon hitziger. Durch die unterschiedlichen Ansätze zur Verbesserung der ökologischen und sozialen Situation ging es lebendiger zu.

 

So setzt Berndt Hinzmann auf die Basisarbeit mit Multi-Stakeholder-Initiativen, in denen Akteure aus Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an der Lösung komplexer Probleme arbeiten, während Frau Dr. Brodde die Kommunikation mit dem Endverbraucher über anerkannte Siegel wie z. B. den G.O.T.S. für unverzichtbar hält. Am Ende der Kette steht der Kunde, und der soll doch gefälligst wissen, was er kauft. Und er soll kaufen! Design als Kommunikationsmittel in der grünen Avantgarde! Gut, dass es Alma & Lovis gibt!

 

Berndt Hinzmann (Kampagne für Saubere Kleidung, Reinhard Griebner (rbb Fernsehen), Dr. Kirsten Brodde (Journalistin)Von links nach rechts: Berndt Hinzmann (Kampagne für Saubere Kleidung, Reinhard Griebner (rbb Fernsehen), Dr. Kirsten Brodde (Journalistin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über die Themenfragen der sozialen Verantwortung und den Stellenwert des Verbrauchers wurde kompetent referiert. „Was kommt nach der Textilökologie auf dem Weg der Ganzheitlichkeit?“, “Was bedeutet ‘Fairtrade Fashion’ und der ‘textile Fußabdruck’?” Solche Fragen bewegen die Branche.

Begriffe wie Living Wage (Existenzsichernder Lohn), Jo-In (Zusammenschluss bestimmter Initiativen) oder auch LCA (Life Circle Assessment, vollständige Ökobilanz eines Produktes während seiner gesamten Lebensdauer) waren gängiges Vokabular. Da fand sich das ein oder andere Fragezeichen in den Gesichtern. Allesamt wichtig! Vor allem sollte man keine Berührungsängste haben. Für Interessierte hier ein Link mit einer mehr oder weniger vollständigen

 

Auflistung.

Eine ganze Menge Input! Da darf man den Überblick nicht verlieren — Kaffeepause!

Ein weiteres großes Thema: Die stärkere Vernetzung und Nutzung von Synergien in der Naturtextilgemeinschaft. Kleinen Labels und Designern ist es immer noch kaum möglich, ökologische Stoffe in kleinen Mengen kaufen zu können, daher gibt es im Punkt der Warenbeschaffung hier eine besonders große Nachfrage. Wir hoffen hier tut sich was!

 

Heike Pütthoff (Alma & Lovis) und Frau Stefanov, Best Sabel, Berufsfachschule für Design, Fachoberschule für Technik, versuchen den Kontakt und das Netzwerk zu nutzen, um dem Nachwuchs das Thema näherzubringenHeike Pütthoff (Alma & Lovis) und Frau Stefanov, Best Sabel, Berufsfachschule für Design, Fachoberschule für Technik, versuchen den Kontakt und das Netzwerk zu nutzen, um dem Nachwuchs das Thema näherzubringen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die Zukunft muss die Nachhaltigkeit übergreifend gesehen werden. Dazu trägt eine lange Lebensdauer und die Pflege eines Textils entscheiden bei. Egal, welcher Rohstoff eingesetzt wird, die Produktionskette muss optimiert sein. Baumwolle wird nie ohne Wasser auskommen, aber Biobaumwolle kann im Wasserverbrauch reduziert werden und auf Pestizide verzichten. Alternative Naturfasern, wie Hanf oder Brennnesselfasern, sollten sich weiter etablieren, Recyclefasern nicht ausgeschlossen (allerdings müssen die Recyclingmethoden weiterentwickelt werden).

 

Es gibt Baustellen, das ist sicher. Ökologisch wie auch im Sozialen muss die Branche weiterhin nach Optimierungen suchen. Die grüne Avantgarde hat viel erreicht und der offene Umgang mit den bestehenden Problemen macht sie glaubwürdig. Und der modische Ausdruck zum Must Have!!!


Grün: Es muss weitergehenGrün: Es muss weitergehen

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