Baumwolle – nur in Bio-Qualität?

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Rund ein Drittel aller Textilien wird heute aus oder mit Baumwolle produziert

Everybodys darling: Baumwolle hat sich aufgrund ihrer vielen angenehmen Eigenschaften einen festen Platz in der Textilindustrie erobert. Sie gilt als natürlich, hochwertig und vielseitig – sie ist atmungsaktiv, reißfest, saugfähig und hinterlässt dadurch auch auf der Haut ein angenehmes Tragegefühl.

Aber die weiße, reine Farbe und ihre Bezeichnung „Weißes Gold“ trügt, denn keine andere Nutzpflanze wird im konventionellen Anbau so intensiv mit Pestiziden behandelt, wie Baumwolle. Die Pflanze ist anfällig für Schädlinge, laugt die Böden aus, muss gedüngt und bewässert werden.

Schmutzige Baumwolle?

Für die Herstellung von Baumwollprodukten werden jährlich 37 Milliarden Euro ausgegeben.

Vorwürfe wie Zwangsarbeit, Umweltverschmutzung und sogar Sklaverei haben den Ruf in der konventionellen Verarbeitung beschädigt. Gleichzeitig wird ein Markt für „ethisch verantwortliche“ Baumwolle geschaffen.

Die ZDFinfo-Dokumentation verfolgt den Produktionsweg der Baumwolle, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen sie wirklich hergestellt wird.

 

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Es gibt einige Initiativen, die den Anschein erwecken, die Produktion und deren Bedingungen verbessern zu wollen. Eine davon ist die Better Cotton Initiative (kurz BCI, dt. etwa Initiative für bessere Baumwolle), die in der zdf-Dokumentation näher beleuchtet wird. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die nachhaltige Produktion von Baumwolle zu fördern.

Anders als Label wie Fair Trade, UTZ Certified oder Bio-Siegel zertifiziert BCI keine Endprodukte, sondern zielt darauf ab, die weltweite Baumwollproduktion insgesamt nachhaltiger zu machen, indem einerseits Baumwollfarmer in nachhaltiger Bewirtschaftung trainiert werden und gleichzeitig durch die baumwollverwertenden Mitglieder der Initiative Druck auf die Lieferkette ausgeübt wird, Baumwolle aus nachhaltiger Produktion zu verarbeiten.

Soweit die Absichtserklärung und Ziele – in der Praxis sieht das aber zum Teil ganz anders aus!

Durch fehlende Verpflichtungen und keinerlei Kontrollen sind die Ergebnisse alarmierend. Wie in der Dokumentation von zdf info ermittelt, werden weder soziale Standards eingehalten noch eine Mindestanforderung an das Endprodukt gestellt. Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Bauern, die ihren Betrieb von der Bio-Baumwollproduktion wieder zurück auf eine konventionelle Bewirtschaftung umgestellt haben, lassen an der Sinnhaftigkeit der Organisation Zweifel aufkommen.

Die Vergleichbarkeit: 100% Baumwolle – was ist drin?

  • Nicht selten liegt der Naturfaseranteil von einem vermeintlichen „100-Prozent“-Baumwoll-T-Shirt gerade mal bei 75 Prozent. Die restlichen 25 Prozent sind Farbstoffe, Weichmacher und andere Chemikalien.
  • In der klassischen Textilproduktion und -veredelung werden etwa 7500 verschiedene Chemikalien und rund 4000 Farbstoffe eingesetzt.
  • In den Textilfabriken dauert ein Arbeitstag bis zu 15 Stunden. Gearbeitet wird an 6 bis 7 Tagen in der Woche.
  • Der Lohn in einer Textilfabrik in Bangladesch liegt zwischen 30 und 60 Euro pro Monat. Der Existenzlohn, um eine vierköpfige Familie zu ernähren, müsste bei etwa 250 Euro liegen .

Das sind einige traurige Fakten.

 

ABER ES GEHT AUCH ANDERS: ÖKO & FAIR!

Bio-Baumwolle, kbA

  • Die Begriffe „Bio“, „Öko“ und „aus kontrolliert biologischem Anbau“ (kbA) sind wie bei Lebensmitteln auch bei den landwirtschaftlichen Rohstoffen für Textilien, wie zum Beispiel Baumwolle, Hanf oder Schafswolle, rechtlich geschützt.
  • Das Bio-Zertifikat garantiert ausschließlich den ökologischen Anbau der Faser. Über die Weiterverarbeitung bis hin zum fertigen Kleidungsstück sagt es nichts aus. Hierfür gibt es andere, weitreichendere Siegel.
  • Der Anbau von Bio-Baumwolle bietet Kleinbauern in ärmeren Ländern viele Vorteile. Eigene soziale Standards beinhaltet das Bio-Zertifikat jedoch nicht.

 

GOTS Zertifizierung

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) und das Zertifikat Naturtextil Best stellen derzeit die höchsten ökologischen und sozialen Kriterien an die Textilindustrie.

  • International etabliertes und einheitliches Label für ökologische Textilien.
  • Mindestens 70 Prozent der Textilfasern müssen aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bzw. Tierhaltung (kbT) stammen.
  • Bei der Weiterverarbeitung der Textilfasern dürfen nur gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Stoffe verwendet werden. So sind zum Beispiel giftige Schwermetalle, Azo-Farbstoffe und aromatische Lösungsmittel im gesamten Produktionsprozess verboten.
  • Accessoires wie Stickereien und Kordeln bestehen aus Naturfasern oder Viskose. Reißverschlüsse und Knöpfe müssen PVC-, chrom- und nickelfrei sein.
  • Die geltenden Sozialstandards basieren auf den Kriterien der „International Labour Organisation“ (ILO). Ihre Einhaltung wird in den Betrieben vor Ort kontrolliert.

Machen ist wie Wollen – nur krasser!

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man die Absicht erklärt, etwas zu verbessern. Wenn es aber nur bei einer Absichtserklärung bleibt, die dann aufgrund mangelnder Rahmenbedingungen auch noch Verschlechterungen zur Folge hat, ist das fatal. Auch wir sind stetig bemüht, unsere Produkte und Prozesse zu verbessern. Rohstoffe noch effektiver zu nutzen, Müll zu vermeiden, Ressourcen zu sparen.

Bei uns bleibt es aber nicht beim Wollen: Wir machen!

Unsere GOTS Zertifizierung nehmen wir sehr ernst. Und GOTS auch, denn wir und alle Lizenzpartner werden jährlich auf die Einhaltung aller Kriterien geprüft und rezertifiziert.

So könnt ihr zu 100% sicher sein, dass wir auch halten, was wir versprechen!

 

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