GOTS – Zertifizierung

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Kleidung auf dem Prüfstand

Welche Mode uns gefällt, entscheiden wir nach optischen Aspekten – die Etiketten im Innenteil der Kleidung informieren uns über Material, die Pflegeanleitung und evtl. den Produktionsort. Mehr kann ein Verbraucher auf den ersten Blick meist nicht erkennen.

Unter welchen Umständen ist sie produziert worden? Welche Stoffe wurden beim Färben verwendet? Wie ist der Rohstoff erzeugt worden?
Bis ein Produkt fertig auf dem Ladentisch liegt, hat es schon viel erlebt. Rohstoffanbau, Weberei, Weiterverarbeitung, Konfektion, Versand – was in diesen Stufen passiert ist und wie dort gearbeitet wurde, sieht man auf den ersten Blick nicht.

Um dem Verbraucher Sicherheit zu geben und rundum ökologische Produkte erkennbar zu machen, ist das GOTS Siegel geschaffen worden.


GOTS – der Kurzfilm

Mit diesem Kurzfilm verdeutlicht der Global Organic Textile Standard die Tragweite einer GOTS-Zertifizierung!


Alma & Lovis ist GOTS zertifiziert.

Wir sind nach GOTS zertifiziert und Mitglied im IVN, dem Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft, der an der Entwicklung des GOTS Siegels mitgewirkt hat. Unabhängig von der Zertifizierung pflegen wir einen engen Austausch mit unseren Lieferanten und sind regemäßig dort vor Ort, wo unsere Mode produziert wird.

Mit den nachfolgenden Fragen und Antworten geben wir euch einen Überblick zu den Kriterien der strengen Zertifizierung – sie wird nur dann verliehen, wenn ALLE Kriterien erfüllt sind. Sobald die GOTS-Kette unterbrochen ist, gibt es kein Zertifikat!


Was bedeutet GOTS?

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein internationaler Standard für die Herstellung von Textilien aus Bio-Naturfasern. Er gilt als der strengste Standard, denn er berücksichtigt die gesamte Lieferkette vom Anbau bis zum Verkauf und beinhaltet sowohl Umwelt- als auch Sozialkriterien. GOTS-zertifizierte Kleidung wird unter ökologischen und sozialverträglichen Standards entlang der gesamten Herstellungskette produziert.

Wer vergibt das Siegel?

Siegelinhaber ist die Global Standard gemeinnützige GmbH, die von der International Working Group on Global Organic Textile Standards gegründet wurde. Dies ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen, die sich für eine umweltverträgliche und sozial verantwortliche Textilproduktion einsetzen.

Was sind Ziel und Schwerpunkt von GOTS?

Ziel des Siegels ist, einen weltweit einheitlichen, kontrollierbaren, sozialen und ökologischen Standard aufzubauen, der die gesamte Produktionskette von Textilien umfasst und nachvollziehbar macht.

Was kann ausgezeichnet werden?

Textilien, die zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen und die Anforderungen erfüllen, dürfen das GOTS Siegel („made with x% organic“) tragen. Ab 95% bio-Anteil wird der Zusatz „organic“ vergeben.

Welche Bereiche werden abgedeckt?

Der Standard deckt bei den Textilien die folgenden Bereiche ab:

  • Herstellung
  • Konfektion
  • Verpackung
  • Kennzeichnung
  • Handel und Vertrieb

Das GOTS Siegel kann sowohl ein komplettes Unternehmen zertifizieren als auch nur einen bestimmten Teil der produzierten Materialien und Stoffe. Um mit GOTS-zertifizierter Kleidung zu handeln, muss jedoch auch das Unternehmen zertifiziert sein.

Welche Kriterien müssen für eine Zertifizierung erfüllt sein?

Die wichtigsten Kriterien für die Faserproduktion sind:

  • Bio-Zertifizierung der Fasern auf Grundlage anerkannter internationaler oder nationaler Bioanbaustandards
  • Ein Textilprodukt mit der GOTS-Kennzeichnung „Bio“ bzw. „kbA/kbT“ muss mindestens 95% kontrolliert biologisch erzeugte Fasern enthalten

Die wichtigsten Kriterien für die Textilproduktion sind:

Umweltkriterien

  • In allen Verarbeitungsstufen müssen Produkte aus biologisch erzeugten Fasern klar identifiziert sein.
  • Alle chemischen Zusätze (z.B. Farbstoffe, Hilfsmittel und Prozesschemikalien) müssen die Grundanforderungen bezüglich Toxizität und biologischer Abbaubarkeit/Eliminierbarkeit erfüllen.
  • Verbot problematischer Zusätze, wie z. B. toxische Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel, genetisch veränderte Organismen (GVO) und deren Enzyme.
  • Bleichmittel müssen auf Sauerstoff basieren (keine Chlorbleiche).
  • Azofarbstoffe, die karzinogene Aminverbindungen freisetzen, sind verboten.
  • Ätzdruckverfahren, die aromatische Lösungsmittelenthalten und Plastisol-Druckverfahren, die Phthalate und PVC verwenden, sind verboten.
  • Es gelten Beschränkungen für Accessoires (z.B. Ausschluss von PVC, Nickel oder Chrom).
  • Alle Betriebe müssen über ein eigenes Umweltschutzprogramm mit Zielvorgaben und -verfahren verfügen, um Abfälle und Abwässser zu minimieren.
  • Nassveredlungsbetriebe müssen vollständige Protokolle über die eingesetzten Chemikalien, den Energie- und Wasserverbrauch sowie die Abwasseraufbereitung einschließlich Klärschlammentsorgung führen. Das Abwasser aller Nassveredlungsbetriebe muss in einer zweckdienlichen Abwasserkläranlage aufbereitet werden.
  • Das Verpackungsmaterial darf kein PVC enthalten. Alle aus Papier oder Pappe bestehenden Verpackungsmaterialien, Hängeetiketten, Banderolen, etc. müssen entweder gemäß FSC oder PEFC zertifiziert oder recycelt sein.
  • Kriterien für technische Qualität und Humantoxizität.
  • Technische Qualitätsanforderungen, wie z.B. Reib-, Schweiß-, Licht- und Waschechtheit sowie Einlaufwerte müssen erfüllt werden.
  • Rohstoffe, Zwischenprodukte, fertige Textilprodukte sowie Zutaten und Accessoires müssen strenge Grenzwerte im Hinblick auf unerwünschte Rückstände einhalten.

Soziale Kriterien

Alle Verarbeiter und Hersteller müssen soziale Kriterien auf der Grundlage der Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erfüllen. Sie müssen in diesem Zusammenhang über ein Soziales Managementsystem verfügen, das die Einhaltung der sozialen Kriterien sicherstellt. Die nachfolgend aufgeführten Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dienen als Grundlage für die angemessene Umsetzung und Beurteilung der jeweiligen Sozialkriterien.

  • Freie Wahl der Beschäftigung
  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen werden geachtet
  • Die Arbeitsbedingungen sind sicher und hygienisch
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Mindestlohn
  • Keine übermäßige Arbeitszeit
  • Keine Diskriminierung
  • Reguläre Beschäftigung
  • Verbot von grober oder inhumaner Behandlung

Wie wird die dauerhafte Einhaltung der Kriterien gesichert?

Ein Unternehmen, das am GOTS-Zertifizierungsverfahren teilnimmt, muss ausnahmslos alle Kriterien des Standards erfüllen. Nach dem Motto „doppelt hält besser“ stützt sich GOTS auf ein duales System aus Inspektionen vor Ort und Rückstandsanalysen, um die lückenlose Einhaltung der Kriterien sicherzustellen. Die Zertifizierung wird außerdem jährlich erneuert.


 

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